KI & Zettelkasten

Die Lust am Lernen begleitet mich seit meiner Kindheit. Nicht als Pflicht, sondern als eine meiner liebsten Tätigkeiten: neue Zusammenhänge entdecken, alte Überzeugungen hinterfragen, Dinge miteinander verknüpfen, die vorher getrennt waren.

Vor einigen Jahren habe ich während der Corona-Pandemie an einem Online-Kurs zum Thema Lernen teilgenommen (dem sogenannten Roam Book Club #3) und bin dadurch auf Niklas Luhmanns Zettelkasten gestoßen – jenes Karteikartensystem, mit dem er über Jahrzehnte sein wissenschaftliches Werk aufgebaut hat. Die Idee hat mich sofort gepackt: nicht Wissen sammeln, sondern Wissen vernetzen.

Aus diesem internationalen Kurs bildete sich seit vielen Jahren ein internationaler Freundeskreis von Leuten, die meine Passion fürs Lernen teilen. Wir treffen uns online mehrfach im Monat und tauschen uns über Themen wie Lernen, Wissensmanagement, mentale Modelle und zunehmend auch künstliche Intelligenz aus.

Vor ein paar Monaten habe ich in einem Experiment begonnen, all meine über Jahrzehnte gesammelten Notizen mithilfe von KI in ein kohärentes System analog zu Luhmann zu bringen. Das Ergebnis nenne ich weiterhin Zettelkasten, auch wenn es sich inzwischen weit von Luhmanns physischer Kartei entfernt hat – eine ganz eigene, KI-gestützte Variante.

KI übernimmt bei mir die Rolle, dieses wachsende Wissensnetz zu pflegen, zu verknüpfen und zugänglich zu halten – eine Aufgabe, die von Hand kaum zu bewältigen wäre. Vieles darin ist noch unfertig oder verbesserungswürdig und hier und da sicherlich auch nicht fehlerfrei, und das ist auch gut so: Der Zettelkasten ist kein abgeschlossenes Werk, sondern ein Ort, an dem ich selbst immer wieder stöbere, mich erinnere oder etwas Neues entdecke.

Ich arbeite außerdem mit neueren Konzepten wie Andrej Karpathys Idee eines „LLM Wiki" sowie mit der agentischen Einbindung externer Quellen – etwa durch das automatische Einbinden von zwei wunderbaren Kanälen zum Thema Geopolitik und KI (beide auf Englisch), House of El und House of El AI, deren Inhalte die KI ausliest und bei Bedarf in den Zettelkasten einfließen lässt.

Aktuell umfasst der veröffentlichte Zettelkasten rund 1.950 miteinander verknüpfte Notizen, verfügbar auf Deutsch und Englisch.

Ich arbeite hier mit zwei Softwaresystemen: Claude von Anthropic als KI und Obsidian als Notizverwaltung. Diesen Zettelkasten habe ich auch für Interessierte veröffentlicht.

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